C+@: Computer- und Arbeitswelt
Mit der Etablierung eines eigenen Schwerpunktes "C+@: Computer- und Arbeitswelt" spiegelte sich 2001 an der Kritischen Akademie ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel wider: In den 90er Jahren standen die weitreichenden Folgen der Informationsgesellschaft mit den neuen technischen Möglichkeiten im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Mit dem Jahrtausendwechsel hat sich mehr und mehr der Wandel hin zur Wissensgesellschaft vollzogen. Damit wurden die eigentlichen Fragen von Bildung wieder stärker fokussiert. In der KA begann 2001 ausgehend von den bereits vorhandenen Seminaren im Bereich "PC-Seminare" eine Weiterqualifizierung und Erweiterung des Angebots an der Kritischen Akademie. Seit dem wird an einer Konzeption für den Schwerpunkt "C+@: Computer- und Arbeitswelt" gearbeitet, das im Folgenden vorgestellt wird und damit in ein Kapitel "jüngste" Geschichte Einblick gibt.
(Computer-)Medienkompetenz und Schlüsselqualifikationsansatz
Die zentrale Frage in der Bildung ist die nach den "Inhalten". (Computer-)Medien-kompetenz ist seit mehr als zehn Jahren in vieler Munde, doch gemeint ist damit oft eine bloße technische Nutzungskompetenz. In der Medienpädagogik der 90er Jahre rekurrieren viele Fachdiskussionen und praktische Ansätze auf den Medienkompetenzbegriff nach Dieter Baake. Medienkompetenz, wie sie auch im Konzept der Kritischen Akademie rezipiert wird, erfährt damit eine Erweiterung einer "konsumierenden" technischen Nutzungskompetenz hin zu einer Gestaltungskompetenz als aktive Teilhabe an Gesellschaft und noch weiter zu einem Medienkompetenzbegriff, der Medienkunde und Medienkritik mit einschließt. Medienkompetenz in diesem Sinne ist eine der Schlüsselqualifikationen in der Medien- und Wissensgesellschaft. Neue Medien werden darüber hinaus an der Kritischen Akademie auch als Bildungsmedien verstanden, als methodisches Instrumentarium zur Förderung von Schlüsselqualifikationen jenseits der Medienkompetenz - von Qualifikationen wie zum Beispiel "Selbstgesteuertes Lernen" über "Recherche und Strukturierung von Informationen" bis hin zu Möglichkeiten der Selbstorganisation. Diese Konzeption von Schlüsselqualifikationsansatz in der Arbeit mit Computern spiegelt sich auch explizit in aktuellen Seminartiteln aus dem Jahr 2002 wider: "Management mit und ohne Computer. Sich selbst und Gremienarbeit managen" oder "Präsentieren mit und ohne PC".
Die Computermedien: Explikationspotential für gesellschaftliche Themen
Im Konzept der Kritischen Akademie sind die Neuen Medien ein didaktischer Bezugspunkt mit Explikationskraft. Am Beispiel der Informations- und Kommunikationstechnologien werden viele politische Fragestellungen aktueller gesellschaftlicher Verfasstheit für Bildungsprozesse greifbar. Themen sind hier zum Beispiel: Globalisierung, Datenschutz, Individualisierung, Wertepluralismus, Technikgläubigkeit, Veränderungen in der Kommunikation und Arbeitswelt. Im Zentrum steht hier der Nutzwert von politischer Bildung für die Teilnehmer. Das heißt: Politische Bildung an der Kritischen Akademie will sich der Frage nach der Relevanz für die Gesellschaft und den Einzelnen stellen. Andererseits geht es auch um eine Verbindung von politischer Bildung und beruflicher Qualifikation, die in ihrer Synergie die Bedeutung für die Teilnehmer steigert.
Bildung an der Kritische Akademie als bewusstes Gestalten von sozialen Lern-Prozessen
Lernen mit Computer wird an der Kritischen Akademie als Bildungsprozess verstanden, der auch entsprechender didaktischer und methodischer Aufbereitung bedarf. C+@ heißt Arbeiten im Plenum, Kleingruppe und eigenständiger Auseinandersetzung. Arbeiten am Computer findet im Wechsel mit reflexiven Phasen abseits des Computers statt. Gerade beim Heranführen an technische Anwendungsqualifikationen bedarf es weiterhin des instruktionalen Lernens. Dabei wird aber auch das Wissen in der Gruppe als Potential eingebunden. Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien führten an der Kritische Akademie auch zu Überlegungen zur Verschränkung von Präsenzseminaren und Online-Lernformen. Dazu wird derzeit an einer Internet-Plattform für ehemalige Seminarteilnehmer und andere Interessierte gearbeitet. Auch im Gebäude hinterließ das C+@-Konzept manifeste Spuren: Im pädagogischen Bereich erfolgte eine Umstellung von Einzelcomputerarbeitsplätzen in einem "PC-Raum" auf Notebooks in einem "Computer-Medien-Studio". Dieser Raum wurde eingebunden in ein drahtloses Netzwerk, das eine Flexibilisierung der Lernformen und eine Einbindung in netzgestütztes Lernen im ganzen Haus ermöglicht.
Infos zu Betriebsrats-Seminaren unter C+@ (PDF-Datei)
Für Fragen stehe ich für Sie gerne zur Verfügung: Gebhard Schwägerl
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